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Franken-Therme in Bad Windsheim

Am Toten Meer in Franken

An das Tote Meer braucht heute kein Psoriatiker aus Deutschland mehr zu reisen. Ein Ausflug in die Franken-Therme nach Bad Windsheim tut es auch. Das mittelfränkische Heilbad hat als Alleinstellungsmerkmal einen richtigen Badesee mit vollgesättigter Sole zu bieten und kann Erfolgszahlen vermelden.

Sole als USP. Dabei war die Entstehung des „Fränkischen Toten Meeres“, wie die Bad Windsheimer ihren Salzsee nennen, ein Zufallsprodukt: Die Idee wurde geboren, nachdem bei einer Bohrung im Vorfeld des Bauvorhabens 1998 neben einem Thermalwasservorkommen auch ein massiver Überschuss an gesättigter Sole entdeckt wurde. Als die Franken-Therme 2004 schließlich im Bau war, stellte sich heraus, dass ein bei den Bohrungen entdeckter 200 Meter tief gelegener Salzstock nach bergbaurechtlichen Bestimmungen verschlossen werden musste, um ein Absinken des Erdreichs zu verhindern. Doch bevor der Salzstock mit Beton verfüllt werden konnte, musste die Sole entsorgt werden. Nur wohin damit?

Kleinere Mengen hätte man als Heilmittel an Kliniken verkaufen können oder an weiter verarbeitende Betriebe. Doch auf diese Weise hätte man sich nur zum Teil der Sole entledigen können, und keinesfalls der mehreren 1.000 Kubikmeter, die sich angesammelt hatten. Man hätte die Sole auch verdünnen und anschließend über die Kläranlage ableiten können – doch dafür wären Unmengen an Trinkwasser nötig gewesen. Das Wasser einfach zur Salzgewinnung verdunsten zu lassen, wurde vom Bad Windsheimer Stadtrat ebenso diskutiert, wie die verdünnte Sole über die nahegelegenen Flüsse abzuleiten. „Doch abgesehen von den beträchtlichen Kosten für die Entsorgung hätte es bei all diesen Überlegungen weder einen Profit oder eine effiziente Nutzung gegeben“, erinnert sich Wolfgang Eckardt, Erster Bürgermeister der Stadt Bad Windsheim, der die Entstehung der Therme maßgeblich mit begleitet hat. Der studierte Bauingenieur will es auch gewesen sein, der schließlich die bahnbrechende Idee mit dem Salzsee hatte. Nachdem er sich mehrere Bäderstandorte in Deutschland angeschaut und dabei festgestellt hatte, dass sich noch niemand ein derartiges Projekt herangewagt hatte, stand für ihn fest: „Wir bauen das Tote Meer Frankens“.

Aus der Not eine Tugend gemacht. Rasch ließ Eckardt vom Biozentrum der Uni Würzburg ein Konzept für die Solenutzung durch die Franken-Therme ausarbeiten. Ein Salzsee, so seine Annahme, würde der bereits im Bau befindlichen Therme und Bad Windsheim als Bäderstandort ein einzigartiges Alleinstellungsmerkmal verschaffen. Er sollte Recht behalten. Mit seinem 26.9-prozentigen Solegehalt, was genau dem des Toten Meeres entspricht, ist der Salzsee so etwas wie ein Wahrzeichen für das salzreiche Heilbad geworden.
Neben der Thermalsole und den anerkannten Heilwässern ist die vollgesättigte Sole ein weiteres staatlich anerkanntes Heilmittel in Bad Windsheim. Damit ist der 12.000 Einwohner zählende Kurort das einzige Heilbad Mittelfrankens mit vier staatlich anerkannten Heilquellen.

Die im Dezember 2005 eröffnete Thermenlandschaft wurde mit sieben Millionen Euro bezuschusst, die Gesamtkosten belaufen sich auf 23 Millionen Euro. Die Bauzeit betrug knapp anderthalb Jahre. Durch die in unmittelbarer Nähe befindliche Kur- und Kongresshalle will sich Bad Windsheim als Destination für Kongresse und Tagungen profilieren. Weitere Synergieeffekte erhofft man sich heute durch einen nahe gelegenen Hochseilgarten, einen Reisemobilhafen und ein Gradierwerk mit Kneippanlage. Die außerhalb vom Ortskern und auf freistehendem Areal in der Erkenbrechttallee gelegene Franken-Therme erstreckt sich auf einer Grundfläche von insgesamt  17.500 Quadratmetern und ist über einen Bademantelgang mit dem Vier-Sterne-Hotel Pyramide verbunden.

Geheizt wird mit Biomasse. In der Wasserwelt der Franken-Therme stehen mehrere Thermalbecken mit Salzkonzentrationen zwischen 1.5 % und 12 % zur Verfügung. Die Thermalsole der Franken-Therme wird mit einer Temperatur von ca. 32 °C aus bis zu 530 Meter Tiefe in die Thermalbecken geschleust. Die hochprozentige Sole des Salzsees wirkt sich lindernd bei Erkrankungen der Atemwege aus und entlastet bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Neben dieser großzügig gestalteten thermalen Wasserwelt, stehen ein Saunapark mit finnischer Sauna und mehreren individuell gestalteten Dampfbädern zur Verfügung sowie eine separate Wellness- und Beautyabteilung.

Der 750 qm große Salzsee der Franken-Therme wird beheizt, damit man ihn das ganze Jahr über nutzen kann. Hierfür musste man kostengünstige und umweltverträgliche Energiequellen erschließen. Das Energiekonzept der Therme umfasst ein Blockheizkraftwerk, das sich in der Kongresshalle befindet, ein wenige hundert Meter von der Therme entferntes Biomasseheizwerk und eine Biogasanlage, die mittels einer Wärmetauscher-Leitung die überschüssige Energie, die bei der Stromproduktion übrig bleibt, aufnimmt und über eine Wärmerückleitung zum Biomasseheizwerk zurückleitet. Von dieser "Schaltzentrale" aus werden die Kur- und Kongresshalle, das Hotel und die Therme mit dem Salzsee nahezu vollständig versorgt.

Mit den Biogasbauern einigte man sich darauf, dass die Stadtwerke mit einer Kostenbeteiligung der Therme die Leitungen für die Abwärme bauen und zur Verfügung stellen, damit die Bauern imstande sind, ihre Wärme in den Energiekreislauf einzuspeisen. Profit machen die Biogasbauern durch einen Bonus vom Staat in Höhe von zwei Cent pro Kilowattstunde, den sie dafür erhalten, dass sie die Abwärme nicht mehr in die Luft blasen. Die Stadtwerke profitieren, weil sie die Biogas-Energie ohne weitere Kosten einspeisen und weiterverkaufen können – eine klassische Win-Win-Situation. Ohne diesen Deal, so Wolfgang Eckardt, hätte es sich die Therme gar nicht erlauben können, den Salzsee zu beheizen.

Um die Energiekosten im Winter darüber hinaus im Rahmen zu halten, wurde der Salzsee Ende 2007 mit einer Kunststoffkuppel teilweise überdacht. Die Spezialfolie dieser Konstruktion, die auch bei der Münchner Allianz-Arena zum Einsatz kam, verfügt über hervorragende Dämmeffekte, und kann mit zusätzlichen Lichteffekten  – z.B. für eine Tag-Nacht-Simulation – ausgestattet werden.

Dass sich bislang noch kaum ein Bad an die Verwendung hochprozentiger Sole gewagt hat, liegt auch daran, dass der Umgang mit der bauphysikalisch aggressiven Lösung nicht ganz einfach ist. Binnen weniger Tage habe sie den ursprünglich in Betrieb genommenen Wärmetauscher aus Edelstahl durchgefressen, worauf dieser gegen einen Titan-Wärmetauscher ausgetauscht werden musste, weiß Wolfgang Eckardt zu berichten. Außerdem müsse das Seewasser immer an der Grenze zur Vollsättigung gehalten werden, da sich andernfalls das überflüssige Salz am Rand oder am Ufer absetze und Leitungen anfingen, von außen und von innen zu verkrusten. Die tägliche Wartung und Kontrolle durch die Techniker der Franken-Therme ist daher Pflicht.

Das „Abfallprodukt“ schreibt Erfolgsgeschichte. Im November 2007 wurde die Franken-Therme Bad Windsheim vom Deutschen Tourismusverband (DTV) mit dem Tourismuspreis in der Kategorie „Innovatives Tourismusprodukt“ ausgezeichnet. Die Jury überzeugte neben der ökologischen Nachhaltigkeit und dem Effekt des „Toten Meeres“ am Standort Deutschland auch der zukunftsorientierte Einsatz von Fördermitteln und die erfolgreiche Wertschöpfung mit einem „Abfallprodukt“. Außerdem habe man den Trend Medical Wellness kreativ und erfolgreich umgesetzt, heißt es in der Begründung.
Der Innovationspreis ist eine erfreuliche Anerkennung für die Therme und die Region. Noch erfreulicher sind die Auslastungsquoten der Therme. Laut Plan hätte die Franken-Therme mit 250.000 Badegästen den Breakeven erreicht – diese Zahl habe man allerdings bereits nach dem ersten Betriebsjahr 2006 mit 271.000 Besuchern weit übertroffen, betont Wolfgang Eckardt nicht ohne Stolz. Weitere Steigerungen konnte die Therme auch für das Jahr 2007 mit 380.000 Badegästen, von denen 154.000 den Solebereich genutzt haben, vermelden. Die ansässigen Hotels profitieren ebenfalls davon. So sei 2007 schon eine Steigerung bei den Übernachtungszahlen von 12 % auf insgesamt 325.000 (inklusive Klinikübernachtungen) im Zeitraum Januar bis September zu verzeichnen gewesen.

Neue Wellness-Angebote sollen für Abwechslung sorgen. Siegfried Heger, der Geschäftsführer der Franken-Therme, hat bereits in einige Bereiche reinvestiert und kündigt weitere Optimierungs- und Erweiterungspläne an. So seien u.a. ein weiterer Ruheraum für den Saunapark geschaffen und die Kosmetikräume in einen ruhigeren Trakt verlegt worden. Neu hinzugekommen ist auch ein Sand-Therapieraum, in dem man auf heißem Wüstensand die Effekte einer sanften Bräunungsanlage genießen kann. In Planung sind bereits weitere Erweiterungsbauten wie zusätzliche Duschen oder eine Dampfkammer zur Sole-Inhalation. Die Franken-Therme setzt auch auf besondere Therapieformen wie die Photo-Sole-Therapie, die unter ärztlicher Aufsicht für Patienten durchgeführt wird, die unter spezifischen Hauterkrankungen leiden. Eine exklusiv für die Franken-Therme entwickelte Pflegeserie aus Bad Windsheimer Thermalwasser, pflegenden Ölen und aromatischen Essenzen aus regionaltypischen Rebsorten erweitert den USP der Therme und verkaufe sich, so Siegfried Heger, hervorragend. Mehr als 22.000 Wellnessgäste mit ca. 26.000 verkauften Anwendungen haben in 2007 von den vielfältigen Angeboten im Wellness- und Beautybereich Gebrauch gemacht (siehe Kasten: „Ein Tag in der Franken-Therme“). Themenevents wie Mitternachtssauna oder Afrika-Wochen finden großen Zuspruch und sollen auch in Zukunft für Abwechslung unter den Kurgästen sorgen.

Autorin: Nathalie Kopsa