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Die größte Wellnessapotheke der Welt

Foto: Thal'ion

Regenwald-Wellness

Im Auftrag der Pharmaindustrie und der Kosmetik sind Wissenschaftler in den Urwäldern der Erde unterwegs, um neue Wirkstoffe tropischer Pflanzen zu finden. Mit entsprechenden Kosmetikprodukten lassen sich Spa-Behandlungen kreieren, die den Wünschen der Kunden nach dem besonderen Wohlfühl-Kick und ihren Träumen von exotisch fernen Welten gerecht werden.

Der tropische Regenwald zeigt Vegetationsformen, die nur im immerfeuchten, tropischen Klima, wie in den Wäldern von Süd- und Mittelamerika, im mittleren Afrika und Madagaskar, in Südostasien wie Indien und Malaysia, anzutreffen sind. Die Artenvielfalt in diesen Regionen und die Überlebensfähigkeit der Pflanzen beruhen auf einem besonderen Stoffkreislauf, denn die Flora gedeiht hier im „Stockwerkbau“ über sechs Etagen. Etwa 300.000 bisher bekannte Pflanzenarten wachsen in diesen riesigen Regionen, darunter viele Heilpflanzen. Das Wissen hierüber wird bei den Ureinwohnern, die dort seit Jahrhunderten leben, als Familiengeheimnis von Generation zu Generation weitergegeben.

Die Regenwälder sind lebendige, pflanzliche Schatzkammern und für Wissenschaftler ein hoch interessantes Forschungsgebiet. Der Erhalt des Regenwaldes auf der ganzen Erde ist für uns Menschen überlebensnotwendig. Die für die Ureinwohner finanziell notwendige Abholzung des Regenwaldes wird überflüssig, wenn die Indianer durch schonende und nachhaltige Sammlung von Wildpflanzen, -kräutern und -früchten, beispielsweise für „faire“ Spa-Produkte, ca. sechsmal höhere Erträge erzielen können, um den Lebensunterhalt ihrer Familien zu sichern. So kann auch das Heilwissen der Indios, ihre Kultur und der spirituelle Hintergrund bewahrt werden.

Wirkstoffe aus dem Regenwald. Hier einige Beispiele im Zusammenhang mit Kosmetik und Wellness:

  • Die Camu-Camu-Frucht kommt aus dem Amazonasgebiet und aus Peru. Sie wächst an Sträuchern, die zu den Myrtengewächsen gehören und ist reich an Vitamin C (Schönheitsvitamin)
  • Der Cupuacu-Baum, auch „großblütiger Kakao“ genannt, kommt aus dem Urwald Brasiliens. Seine Samen liefern die Theobroma-grandiflorum-Butter, die als Feuchtigkeitsregulator die Haut stark entspannt
  • Die Garcinia mangostana kommt in den Urwäldern von Malaysia, Indonesien und China vor. Sie wird auch wegen ihres wohlschmeckenden Fruchtfleisches „Königin der Früchte“ genannt. Auch ihre Blätter, Samen und Schalen sind biochemisch interessant, da sie viele Spurenelemente, Mineralien, Enzyme, Vitamine, Bioflavone, Antioxidantien und Pflanzenphenole wie z.B. Xanthone, die antioxidativ, antiviral, fungizid, entzündungshemmend und immunstärkend wirken, enthalten. Das Mangosteenextrakt ist ein effektiver, Haut regenerierender Anti-Aging-Wirkstoff
  • Die Lotusblume gehört zu den Seerosengewächsen und kommt in Indien und Australien vor. Ihr Extrakt wirkt stark Haut regenerierend
  • Die Passionsfrucht (portugiesisch maracujá) kommt aus Süd- und Mittelamerika sowie aus Madagaskar. Ihr Kernöl ist reich an Bioflavonoiden und wirkt antioxidativ
  • Die wild wachsende Paranuss kommt aus den Urwäldern Boliviens und hat einen hohen Gehalt an bioverfügbarem Selen
  • Samambaia (Polypodium decumanum) ist ein Regenwaldfarn, dessen Wirkstoff die Hautfeuchtigkeit reguliert
  • Taspine sind Wirkstoffe in Extrakten, die aus Crotonbäumen gewonnen werden (z.B. aus dem 10 bis 20 Meter hohen Drachenblutbaum des Amazonasgebiets). Diese Extrakte sind stark enzymhaltig, wirken feuchtigkeitsbindend, entzündungshemmend, antiviral, antioxidativ, helfen gegen Ekzeme und sollen die Kollagenbildung der Haut unterstützen

Überlieferte Spezialmassagen der Urvölker. Zu einem guten Wellness-Programm gehören natürlich Körperbehandlungen und Behandlungsrituale, vor allem Massagen, Bäder und andere Wasserbehandlungen. Ebenso wie die Wirkweise der Dschungelpflanzen gut gehütete Familiengeheimnisse der dortigen Urvölker sind, so sind auch die Behandlungsrituale und Massagen Heilgeheimnisse der Schamanen. So wurde z.B. die „Inka Stone Massage“ lange Zeit vom Indiovolk der „Quero“ (direkte Nachkommen der Inkas) als Heilritual und Geheimnis geschützt und als Geschenk der „Apus“, der Geister der Ahnen, hoch geachtet.

In alten Zeiten begannen die Heilrituale im Inkagebiet mit der Anbetung des Sonnengottes „Inti“, der Erdgöttin „Pacha mama“ und der Göttin des Meeres „Mama cocha“ und mit einer Räucherzeremonie. Die sieben Steine (die Sieben galt als heilige Zahl), mit der die Massage noch heute durchgeführt wird, galten als Mittler zwischen der irdischen Welt und der Götterwelt. Die Steine werden heiß und kalt verwendet und immer wieder mit Quellwasser, Sonnen- oder Mondlicht „gereinigt“. Zur Zeremonie gehörten auch die traditionelle Musik der Anden, die Arbeit mit Federn und erwärmten Aromaölen sowie ganz spezielle Massagegriffe. Diese Techniken stehen in enger Verbindung mit den Eigenschaften der heiligen Krafttiere der Inkas (es gibt ca. 50 Krafttiere) und den Naturerscheinungen wie Blitz und Donner, Regen und Hagel. Die Schamanen führten die Inka Stone Massage auf Steintischen als energetische Heilarbeit aus.

Die Behandlung beginnt an der Rückenseite des Körpers, die auch mit Vergangenheit assoziiert wird. Mit der Lösung der Rückenprobleme lösen sich so auch alle alten Behinderungen, sowohl körperlicher als auch seelisch-geistiger Art. Die Vorderseite symbolisiert die Gegenwart und die Zukunft. Die traditionellen Inkagriffe können hier mit Chakraarbeit verbunden werden, um so frei von Blockaden den Weg zu neuen Zielen zu finden.
Eine weitere Möglichkeit der Entspannungs- und Energiebehandlung bietet die sogenannte Regenwaldmassage. Dies ist eine spezielle Massagetechnik mit exotischen Ölen, die das Lymphsystem anregt und entspannend wie ein warmer Tropenregen wirkt (Schulungen z.B. bei Maria Galland oder Chris Farrell).

Spa-Rituale aus dem Regenwald. Zahlreiche Hersteller von Präparaten und Ausstattungen für die Spa-Branche haben sich vom Tropenregen, den uralten Heilzeremonien sowie den exotischen Wirkstoffen, Aromen und Ölen aus dem Regenwald inspirieren lassen (siehe Kästen). Für das richtige Regenwald-Ambiente sorgen u.a. Erlebnisduschen und Vichyduschen, die mit speziellen Programmen erfrischenden Tropenregen aus dem Urwald simulieren. Diese Duschen können sowohl zur „Massage“ und für Peelings als auch mit beigemischten Duftstoffen als Aromaerlebnis in die Behandlungen integriert werden. Das Dschungelfeeling wecken auch tropische Saunalandschaften z.B. mit Edelsteinsauna (Bergkristall oder Amethyst) und Erdsauna. Ein schönes Beispiel ist die Erlebniswelt „Tropical Islands“ nahe Berlin auf 66.000 qm mit tropischen Wasserwelten, verschiedenen Sauna- und Meditationstempeln und Regenwald-Behandlungsritualen. Die Therme Erding bietet innerhalb ihres Wellnesskonzepts eine „Regenwaldsuite“ z.B. mit Sommerregen-Massagepeeling, Lomi-Lomi-Massage und Regen-Shiatsu an.

Henny Ladwig