Suche
Sitemap
Impressum
AGB
deutschenglish

Messe-Impressionen

Fachforum Wellness auf der ITB 2007

Auch in diesem Jahr organisierten die Wellness-Hotels-Deutschland (WHD) auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin ein Fachforum zum Thema Wellness mit namhaften Referenten aus dem In- und Ausland. Die wichtigsten Ergebnisse und Trends der ITB finden Sie hier zusammengefasst.

Im ersten Fachvortrag zeigte Magnus Bauch, Eigentümer des Matahari Beach Resort & Spa auf Bali, die Entstehungsgeschichte des Wellness-Hotels, das in zwei Jahren durch die Geschicklichkeit von 400 balinesischen Handwerkern entstand. 1999 erfolgte dann der Bau des Parwathi Spa – The Touch of Bali, da bis dahin nur ein Massagepavillon mit zwei Behandlungsliegen am Strand existierte. Als architektonisches Vorbild dienten die Jahrhunderte alten Wasserpaläste von Tirtha Gangga mit einem komplexen System von Wasserbecken, die alle aus einer heiligen Quelle gespeist wurden. Mit Hilfe einer australischen Heilerin wurde zudem ein authentisches Konzept nach dem Ur-Prinzip des Ying und Yang in Form von Stihra- (energetisierend) und Sukha-Anwendungen (entspannend, ausgleichend) umgesetzt. Als strategischer Erfolgsbaustein ließ man sich international vielfach zertifizieren.

Gesundheitsakte: Mehr Lust auf Gesundheit? Der technisch orientierte Fachvortrag von Dipl. Sportwissenschaftler Thorsten Griesser von der ICW AG griff das Thema webbasierte Gesundheitsakte auf, die die verschiedenen Akteure im Gesundheitsmarkt vernetzen und interaktiv das Gesundheitsmanagement der Patienten unterstützen soll. „Lifesensor“ fungiert dabei als digitale und webbasierte Lösung für Daten, die primär und sekundär durch präventive, alltägliche Aktivitäten und Maßnahmen von Zielgruppen generiert werden, wie z.B. bei Aktivitäten von Übergewichtigen oder Menschen, die ganzheitlich etwas für ihre Gesundheit und Fitness tun möchten. Diese neue Nachhaltigkeit soll „Lust auf mehr“ auslösen und zu dauerhaften Aktivitäten der Nutzer führen. Die Lösung ermöglicht es auch, dem Nutzer spezielle Gesundheitsboni z.B. der Krankenversicherungen als Mehrwert weiterzugeben.

Neue Wellness-Standards. Anschließend informierte Olaf Seiche von der TÜV Rheinland Group über das Thema Zertifizierung und den neuen Wellness-Standard in Zusammenarbeit mit den WHD. Die Kriterien schließen Räumlichkeiten und Infrastruktur (Hardware) des Wellness-Hotels ein, den Beauty-, Wellness- und Fitnessbereich mit Hygiene und Sicherheitsaspekten, die Anwendungen sowie Mitarbeiterqualifikation, Qualitätsmanagement und Marketing. Die Vorteile einer Zertifizierung für Betriebe benannte Olaf Seiche wie folgt:

  • zusätzliche Generierung von Umsatz durch systematische und konsequente Analyse und Verbesserung des Unternehmens aus Gästesicht
  • Standardisierung der Treatmentqualität
  • Kosteneinsparungen durch größere Effizienz bei Personal- und Materialeinsatz
  • höhere Qualität individueller Anwendungen.

Einen Exkurs in die Marktforschung bot Alexandra Graf (Institut für Freizeitwirtschaft, München) mit dem Thema „Wachstumsmarkt Gesundheitstourismus“. Demnach wuchs das Interessentenpotenzial für die verschiedenen Formen des Gesundheitsurlaubs binnen fünf Jahren von 4,1 Mio. Personen auf 7,2 Mio. in 2007 (+ 76 %). Die aktuelle Diskussion um Medical Wellness habe durchaus ihre Berechtigung, so Graf. 79 % der potenziellen Wellness-Urlauber möchten Medical Wellness erleben. 2002 waren es noch 60 %. Allerdings nimmt auch der internationale Wettbewerb um deutsche Gesundheitsurlauber in den nächsten Jahren zu. Destinationen wie Österreich, Italien und Schweiz sowie Thailand, Sri Lanka und Indien in Übersee sind hier die Favoriten.

Chancen und Risiken für die Destination Schweiz schilderte anschließend Corinne Denzler, Spa Director der Tschuggen Hotel Group. So könne die Schweiz schon mit 60 von Schweiz Tourismus zertifizierten Spas und sieben offiziellen Wellness-Ferienorten punkten. Im Rahmen einer SWOT-Analyse hob sie die Stärken wie die gute Reputation der Gastgeber, die intakte Natur, vorhandenes Invest-Kapital, hohe Kaufkraft und gute Erreichbarkeit hervor. Es mangele dagegen an einer adäquaten internationalen Wahrnehmung der Schweiz als Spa-Destination und an Fachkräften, zudem seien das hohe Lohnniveau, die teilweise zu medizinischen statt genussbetonten Angebote und Import-Nachteile aufgrund der EU-Bestimmungen hinderlich. Gefahren bestünden demnach im Hochpreisimage des Landes, in Fehlinvestitionen und Konkursrisiken infolge mangelhafter Konzepte, in fehlenden Qualitätsstandards und zu wenig Individualität bei den Angeboten. Chancenreich für die Schweiz dagegen seien intakte Ressourcen sowie die finanziellen Möglichkeiten, um Einzigartiges zu schaffen, eine überdurchschnittliche Dienstleistungsqualität anzubieten und eine europäische Vorreiterrolle beim Thema Medical Wellness einzunehmen.

Wellness-Trend: Wandern für Geist und Seele. Wie der Qualitätsverbund Wellness-Hotels-Deutschland (WHD) auf der ITB zudem mitteilte, entwickelt sich die Kombination von Wellness und Wandern mit zweistelligen Zuwachsraten zum Trend. Natur zu erleben geben 80 Prozent der Bundesbürger als die beste Möglichkeit an, sich in der Freizeit zu erholen. Direkt davon profitieren können Spas und Hotels mit Anbindung an Wander- und Naturschutzgebiete. Vor allem die Wellness- und Rezeptionsmitarbeiter sollten den Gästen auf Wunsch mit Rat und Tat zur Seite stehen: geführte Touren oder Beratung anbieten, über die besten Wanderwege, Rastplätze und Aussichtspunkte informieren, Kartenmaterial und Wanderpläne bereithalten sowie Tipps zu Ausrüstung und Vorbereitung geben. Darüber hinaus punkten Wellness-Hotels mit ihren Spa-Einrichtungen sowie spezifischen Beauty- und Relaxprogrammen für Wanderer z.B. zu Themen wie Medical Check-up, Muskelentspannung oder Sonnenschutz. Entsprechende Angebotspauschalen reichen vom entspannten Tagesausflug bis hin zur sportiven Wanderwoche. Der Ausdauersport Wandern eignet sich nicht nur als Fitness- und Kreislauftraining und ideale Begleitung von Ernährungsprogrammen, sondern tut auch der Seele gut: Es fördert Ausgeglichenheit, Entspannung und Stressabbau.

Medical Wellness: „Entspannt im Urlaub vorsorgen“. Weiterhin bezogen Experten aus den Bereichen Medizin, Hotellerie, Wellness, Gesundheit und Industrie im Rahmen einer Pressekonferenz Position zum Begriff „Medical Wellness“. Demnach wird Medical Wellness als Gesundheitsmodell der Zukunft den Menschen als Gast und Patienten mit den unterschiedlichen Partnern der Gesundheits- und Tourismusbranche zusammenführen. Medical Wellness bedeute Gesundheit als Lifestyle mit Genuss. Spas und Wellness-Betriebe avancieren hierbei zum Verbindungsmodul, das dem Gast eine langfristige gesundheitliche Begleitung bietet und seine Eigenkompetenz zur Verbesserung der Lebensqualität erhöht. Dazu benötigt es neben einer entsprechenden Hotel- und Wellness-Ausstattung fundiert ausgebildetes und qualifiziertes medizinisches Personal. Kliniken, Ärzte und Krankenkassen könnten künftig eng verzahnt mit Wellness-Einrichtungen zusammenarbeiten, um eine ganzheitliche Gesundheitsbetreuung des Menschen zu gewährleisten. Dabei sollte der Arzt die Medical Wellness-Treatments mit den Gästen individuell abstimmen, regelmäßige Gespräche mit den Therapeuten führen und auf die Ernährung Einfluss nehmen können. Intensive Beratungsgespräche mit dem Gast sind eine entscheidende Voraussetzung für die gewünschte Lebensstilveränderung. Zunehmend werden Spas auch zum Bildungsanbieter in Sachen „Gesundheit, die Spaß macht“.

Autor: Jörg Hidding