Foto: Sodashi/Cradle Mountain
Die Spa-Behandlungstrends 2007
Nicht nur exotische Wellness-Spezialitäten aus aller Welt bereichern künftig das Angebot: spa concept hat sich bei den Kosmetikherstellern umgehört, wohin der Trend in Sachen Wellness-Behandlungen geht. Lesen Sie hier eine Einschätzung aus der Branche.
Das Wellness-Menü so mancher Spas liest sich heute wie eine exotische Speisekarte: Vunkuwa Massage aus Afrika, Lowanna – eine 85-Minuten-Gesichts-, Hand- und Fußbehandlung mit australischen Essenzen, Salzen, Ölen und Mineralien – oder auch ein russisches Weniksritual stehen zur Wahl. „Wir sind gerade dabei, die ,Beijing-Butterfly’ mit Lotos und Bambus sowie die ,African Queen’ mit Malachit und afrikanischen Gewürzen fertig zu stellen“, ergänzt Daniel Kufer, Geschäftsführer der Art of Spa GbR und gibt zu bedenken: „Der Produktlebenszyklus wird immer kürzer und dies wirtschaftlich zu gestalten immer schwieriger.“
Erhöhen wird sich zudem die Anzahl der Gäste, die zwischendurch auch ohne Termin eine Spa-Behandlung genießen möchten. Andererseits wird auch das Lager derer, die eine Luxusbehandlung wünschen, wachsen. „Der Luxus spiegelt sich wieder in besonders exklusiven Inhaltsstoffen, extra langen Behandlungszeiten und besonderen Inszenierungen für Paare in Spa Suiten“, so Gerlinde Galvagni, Geschäftsführerin der Galvagni Schönheit GmbH. Gisela Ellgoth, Geschäftsführerin Sothys, beobachtet zudem nach wie vor eine starke Nachfrage nach fernöstlich inspirierten Entspannungs-Massagen. Sie setzt dabei vor allem auf gekonnte Inszenierung: „Anspruchsvolle Kunden erwarten eine Behandlung, die alle Sinne anspricht: von der Raumgestaltung, Musik und Düften bis zu den Pflegeritualen.“
Denn der Gast wird anspruchsvoller: „Dabei sind die Ansprüche der Erstbucher mehr Mainstream und völlig verschieden zu den der Wellness-erfahrenen Menschen“, betont Gerlinde Galvagni. Franz Dannhauser, Thalgo Cosmetic, ergänzt: „Mit thematisierten Ritualbehandlungen spricht man Emotionen an. Es reicht nicht mehr, originale oder leicht abgewandelte Institutsbehandlungen anzubieten. Die Spa-Kunden machen nicht mehr als 5 Prozent der Bevölkerung aus. Sie verfügen über die nötige Kaufkraft, erwarten aber Leistung dafür. Das Potenzial ist bisher nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft.“
Bei Babor ist man davon überzeugt, dass der Kunde seinen Aufenthalt im Spa nur dann optimal erleben und genießen kann, wenn alle Komponenten (Behandlung, Kabine und Room-Setting) ein einheitliches Bild ergeben. Damit der Kunde dann auch wiederkommt, setzt man auf Signature Treatments, die das Spa unverwechselbar machen sollen. Nicht nur in diesem Bereich ist eine Rückbesinnung zur Natur zu beobachten: „Sozusagen ein lang anhaltender Trend, der sich mit unserer Unternehmensphilosophie deckt“, freut sich Marianne Schnaitmann von Schnaitmann Services e.K., dem Distributor der Marke Sodashi in Europa. „Wir folgen keinen kurzatmigen Trends.“ Auch bei Babor setzt man die Trends Natürlichkeit und Authentizität exklusiv um: „Die Natur und ihre Wirkstoffe stehen wieder verstärkt im Fokus und machen die Behandlungen glaubwürdig. Darüber hinaus können sich die Anbieter so über die Region bzw. die Hotelphilosophie von Wettbewerbern abgrenzen“, erläutert Rabea Strukely, Spa-Trainerin der Dr. Babor GmbH & Co. KG. Thomas Dinkel, Geschäftsführer von Eness Beauty Concepts, sieht im kommenden Jahr den stärksten Zuwachs bei Behandlungen mit Rohstoffen und Techniken, die beim Gast positive Assoziationen hervorrufen, z.B. Lebens- und Genussmittel. Er warnt: „Dabei darf aber nicht die Behandlung zum Selbstzweck werden, sondern es muss immer auch eine spürbare und anhaltende Behandlungswirkung erzielt werden.“
Das Erlebnis, das Ritual und die Wirkung rücken weiter in den Vordergrund. „Nachdem der Markt in den letzten Jahren mit Neuheiten sowohl im Behandlungs- als auch Produktbereich nahezu überflutet wurde – und das wirklich ,Neue’ musste man suchen – wird hier eine Beruhigung eintreten“, ist sich auch Bernhard Sander, Nationaler Verkaufsleiter bei Maria Galland, sicher. Der Trend geht vielmehr dahin, was Katrin Schilling, être belle Cosmetic GmbH, als „Balsam für die Seele“ beschreibt und Katrin Koch von der Fribad Cosmetics Group mit „Cocooning“ assoziiert. „Nicht nur körperliches Wohlbefinden, Ernährung, Fitness und Körperhaltung sind gemeint, sondern gleichermaßen Seele, Gefühle, Emotionen sowie unser gesamtes Umfeld. Bausteine, die unser Lebensfeld prägen“, erläutert Kerstin Wurst, MediTerrani Spa- und Wellnesskonzepte.
In diesem Sinne spricht sich auch Michael Bollweg, Creative Supervisor Fox Kosmetik, für individuell maßgeschneiderte Behandlungskonzepte aus: „Dadurch wird die Kreation von Tagesprogrammen, Kurzkuren und mehrwöchigen Pflegeprogrammen einfach und dennoch abwechslungsreich.“ Dies geht Hand in Hand mit Medical Wellness. Hier ist es für Gerhard Klapp, Klapp Cosmetics GmbH, oberstes Ziel, mit überzeugenden Konzepten und einer klaren Strategie den Markt immer wieder neu zu beleben – dem kann Sonia Belter-Helal von Dr. Belter Cosmetic nur beipflichten.
Diese Trends bestimmen das Jahr 2007
- „Quick Spas“ ohne Terminvereinbarung kommen dem Bedürfnis nach Kurzzeit-Entspannung zwischendurch entgegen.
- Luxus versus Express: Der gegensätzliche Trend einerseits zu Luxus-Behandlungen und andererseits zur kurzen Express-Behandlung verstärkt sich: Die Mitte nimmt weiter ab.
- Für Einsteiger und Anspruchsvolle: Mainstream-Behandlungen für Wellness-Einsteiger sind weiterhin ebenso gefragt wie anspruchs- und wirkungsvolle Treatments für Wellness-erfahrene Gäste.
- Signature Treatments sind für Spas weiterhin erste Wahl, um sich unverwechselbar zu machen.
- Body & Soul: Die „Effekthascherei“ mit als wirkungslos empfundenen Treatments nimmt zugunsten von ganzheitlichen und nachhaltigen Behandlungen für Körper und Seele deutlich an Bedeutung ab. Die Einhaltung des Wirkungsversprechens rückt in den Vordergrund.
- Rituale der Welt: Der ganzheitliche und exotische Aspekt fernöstlicher Behandlungen führt weiterhin dazu, dass Wellness-Rituale aus allen Ländern und Kulturen sehr gefragt sind.
- Wellness wird inszeniert: Ganzheitlichkeit macht sich auch in der Inszenierung von Behandlungen für alle Sinne bemerkbar. Wellness wird in außergewöhnlichen Ritualen als Erlebnis zelebriert.
- Individualität ist Trumpf bei den Behandlungsprogrammen: Der Verbraucher erwartet für selbst bezahlte „Kurzkuren“ maßgeschneiderte Tages-, Wochen- oder Langzeitprogramme.
- Behandlungen „Back to Nature“ im Einklang mit Natur gewinnen weiter an Bedeutung. Dazu zählen Naturkosmetik-Anwendungen ebenso wie Erlebnis-Treatments mit frischen, essbaren Zutaten sowie mit Rohstoffen aus der Region.
- Medical Wellness: Der Trend zur Prävention sowie ganzheitlicher Behandlung von Krankheiten mit einem Mix aus bewährten schulmedizinischen, alternativen sowie fernöstlichen Heilmethoden hält weiter an.