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Mitarbeitersuche und -qualifizierung im Spa

Eigeninitiative ist gefragt

 

Viele Spa Manager klagen, dass die "richtigen" Mitarbeiter einfach nicht zu finden seien. Dabei wächst das Angebot an Wellness-Weiterbildungen und Absolventen stetig. spa concept hat sich in der Branche umgehört, inwiefern Nachfrage und Angebot auseinander klaffen und wie Betriebe erfolgreich Mitarbeiter finden und qualifizieren.

 

Immer mehr Menschen setzen auf Erholung und Entspannung im Spa oder Wellness-Hotel. Gute Aussichten für den Arbeitsmarkt in der Wellness-Branche. Nicht nur Fachkräfte im kosmetisch-medizinischen und Fitness-Bereich, sondern auch Führungskräfte sind gefragt, die neben betriebswirtschaftlichen Qualifikationen Kenntnisse im Health- und Wellness-Bereich mitbringen. Umgekehrt sind auch Fachkräfte mit betriebswirtschaftlicher Denke und entsprechendem Background begehrt.

 

Was sich Betriebe wünschen. Das begrenzte Angebot an qualifizierten Arbeitskräften auf dem Markt hält mit der Nachfrage der Arbeitgeber keinesfalls Schritt. Warum ist das so? Dazu gilt es zunächst einmal die Anforderungen der Wellness-Betriebe an qualifizierte Mitarbeiter zu betrachten. Im Spa arbeiten in der Regel ausgebildete KosmetikerInnen, Masseure/Innen, Physiotherapeuten, Mediziner, Touristiker sowie Sport- und Fitness-Fachkräfte, die über eine mehrjährige Ausbildung sowie Wellness-spezifische Weiterbildungen verfügen.

 

So unterschiedlich die Bandbreiten der Angebote in Hotel- und Day Spas sind, so differenziert sind auch die Anforderungen an neue Mitarbeiter. Denn es gilt nicht nur, das vorhandene Angebot durch Spezialisten zu sichern, sondern auch mit Weitsicht ergänzendes Know-how und Können "einzukaufen" sowie potenzialträchtige Kandidaten mit ausgezeichneten Soft Skills an das Haus zu binden.

 

Passende Ausbildung ist ein Muss. Gespräche mit Spa Managern sowie einschlägige Stellenangebote zeigen, dass eine bzw. auch mehrere fundierte Fachausbildungen in einem der oben genannten Bereiche obligatorische Grundvoraussetzung für Spa-Mitarbeiter ist. Sämtliche weiterführenden Qualifikationen, darunter auch die einschlägigen Wellness-Weiterbildungen, sind gerne gesehen, reichen jedoch für sich allein nicht aus. "Zumindest eine gewisse Grundkenntnis in Anatomie muss vorhanden sein", erklärt Dipl. Sp. Oec. Peter Schöpel von Michaeler & Partner.

 

Soft Skills. Es folgen auf der Wunschliste Soft Skills wie Freude im Umgang mit dem Gast, gepflegte Erscheinung, Lächeln und Freundlichkeit, außerdem Belastbarkeit und Flexibilität in kundenfreundlichen Spitzenzeiten wie abends und am Wochenende - und nicht zuletzt die Bereitschaft zum aktiven Verkauf. Je nach Position werden außerdem mehrjährige Berufspraxis sowie auch Erfahrungen in Administration, Kalkulation, Sales und Marketing vorausgesetzt. Auch Fremdsprachen sind erwünscht - je nach Standort von der Weltsprache Englisch bis zu weiteren.

 

Bei der Gewichtung der Qualifikationen teilen sich bereits die Ansichten: Während so manches Haus den Bewerber bei mangelnden Schlüsselqualifikationen rigoros aussortiert, gestehen andere ihm durchaus fachliche Defizite zu, sofern sich dies durch Motivation und eine ausgeprägte Dienstleistungs-Mentalität egalisiert. Denn reines Fachwissen lässt sich in der Regel problemlos erweitern - bei Soft Skills wie z.B. der Kundenorientierung wird es da schon schwieriger.

 

Wellness-Weiterbildung. Aufgrund der Anforderungen der Spa-Verantwortlichen kristallisiert es sich schon heraus, dass es "die" Spa-Ausbildung oder Qualifikation (noch) nicht gibt. Ebenso wird offensichtlich, warum zahlreiche Spas Probleme haben, den richtigen Mitarbeiter zu finden. Eine weitere Konsequenz lautet, dass die bisher angebotenen Wellness-Lehrgänge kein Allheilmittel für den Fachkräfte-Mangel darstellen können. Die angebotene Bandbreite reicht vom Wellness-Berater, den beispielsweise die IHK in 90 Stunden fit für den Einsatz an Rezeption und Telefon machen will, bis zum Wellness-Trainer, der Behandlungen praktisch anwendet. Hier bemüht man sich, durch Qualitätsoffensiven und anerkannte Abschlüsse mehr Angebotstransparenz für den Weiterbildungswilligen zu schaffen.

 

Dem Wildwuchs an ungeregelten Inhalten und Zertifikaten insbesondere beim "Wellness-Trainer" will die Kommission Wellnessberufe des Deutschen Wellness Verbandes Einhalt gebieten, indem sie Rahmenlehrpläne und Prüfungsordnungen erarbeitet. Dennoch existieren weiterhin Lehrgänge in einer Bandbreite von drei Tagen bis zu drei Jahren und einer Gebührenspanne zwischen 500 Euro und fünfstelligen Beträgen. Behandelt werden in den Lehrgängen je nach Schwerpunkt die Gebiete Anatomie, Physiologie, Trainings- und Bewegungslehre sowie BWL für Spas und Wellness-Anlagen. Einige Akademien lassen nur Schüler zu, die eine einschlägige Ausbildung nachweisen können. Andere Institutionen setzen lediglich eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium voraus, weitere gar keine - letzteres geht klar an den o.g. Anforderungen der Spa Manager vorbei.

 

Neue Märkte schaffen. Die Ausbildungsinstitute selbst sehen dies anders. Die Wellness-Lehrgänge sind demnach eine wesentliche Qualifikation in der Branche: Sie orientieren sich an den Bedürfnissen des Marktes und führen der Branche wichtige neue Arbeitskräfte zu. Sei es durch weiter qualifizierte Kosmetik- oder andere Fachkräfte, aber auch durch motivierte Quereinsteiger, die durch die Ausbildung die Chance erhalten, erste Erfahrungen zu sammeln.

 

Was erhoffen sich die Teilnehmer? Schwierig ist die Situation vor allem auch für die Fortbildungswilligen selbst. Wer nicht das Glück hat, eine Weiterbildung vom Arbeitgeber finanziert zu bekommen und daher auch hausintern beraten und geleitet zu werden, steht vor einem fast undurchsichtigen Angebot an Wellness-Fortbildungen. Die Auswahl setzt Fachkenntnis voraus, über die viele (noch) nicht verfügen und die sie gerade durch diese Fortbildung zu erlangen hoffen. Welchen Nutzen versprechen sich die Teilnehmer?

 

"Wir haben TeilnehmerInnen, die sich als Wellness-Trainer haupt- oder nebenberuflich selbstständig machen wollen genauso wie den selbstständigen Einzelhändler aus der Lebensmittelbranche, der sein Lebensmittelsortiment um das Dienstleistungsangebot Wellness/Fitness und Ernährungsberatung erweitern will", erläutert Elisabeth Sternal, Leiterin Produktmanagement/-entwicklung der TÜV Rheinland Akademie.

 

Große Erwartungen. Dabei sind die Erwartungen der zukünftigen Wellness-Fachkräfte groß. So meldete sich vor kurzem ein ehemaliger Landschaftsgärtner in der Redaktion, der umgesattelt und eine halbjährige Wellness-Trainer-Weiterbildung selbst finanziert hatte. Er zeigte sich verärgert über Berichte und Studien, wonach in Wellness-Bereichen händeringend nach qualifiziertem Personal gesucht werde. Er habe bisher rund 30 Bewerbungen abgeschickt und nur Absagen erhalten. Sarina B., die sich in der Redaktion über Wellness-Weiterbildungen informiert hat, hofft, nach der Wellness-Weiterbildung gleich als Spa Managerin einsteigen zu können - leider selbst mit mehrjähriger einschlägiger Berufserfahrung eine Seltenheit. Dies bringt die Weiterbildungs-Kandidaten jedoch in der Regel nicht von ihrem Berufswunsch ab. Wie Nadine G., die soeben erst ihre Weiterbildung zum Wellness- und Spa Management-Diplom angetreten hat. "Viermal im Jahr muss ich nach Düsseldorf zur Präsenzphase sowie am Ende zur Abschlussprüfung", erzählt sie. "Ich finde es ganz gut so zu lernen, weil man sich die Zeit einteilen kann. Natürlich ist es auch manchmal schwierig so ganz ohne Erklärungen. Dafür habe ich aber meinen eigenen Betreuer, den ich jederzeit anrufen kann."

 

Qualifikation als Spa Manager. An künftige Spa Manager gelten noch höhere Anforderungen, wie Andrea Patzelt, Spa Managerin des Loisium Wein und Spa Resort im Österreichischen Langenlois, bestätigt. Sie sucht momentan "am liebsten eine Nachfolgerin", die "nicht nur die nötigen Qualifikationen und mehrjährige Erfahrung mitbringt, sondern auch ein Verständnis für Zahlen und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge hat." Weitere Kriterien: "Ihr Arbeitsstil und die Art, wie sie den Dienst am Gast lebt, müssen zum Haus und der Philosophie passen. Ihre Ausstrahlung, ihre ,gute Energie', muss spürbar sein. Zudem muss sie, ganz wichtig, Erfahrung in der Mitarbeiterführung und -ausbildung mitbringen, belastbar sein und ein Gespür für den Markt besitzen."

 

Spa auf Mitarbeitersuche. Wie geht nun ein Spa Manager mit solch hohen Anforderungen an die Mitarbeitersuche heran? Immer stärker werden Netzwerke mit Experten und Kollegen gebildet, die sowohl für die Trendermittlung und situationsgerechte Weiterbildung als auch als Impulsgeber für die Besetzung offener Stellen herangezogen werden. Headhunting ist kein Tabuthema. "Auch über Zeitungen und Internetbörsen lassen sich heute gute Bewerber finden", fügt Andrea Patzelt hinzu, "ein guter Teil der Stellen wird zudem über Networking und Empfehlungen besetzt." Und zwar in der Regel Zeitpunkt-unabhängig: Die Spas haben sich daran gewöhnt, gute Mitarbeiter einzustellen, wenn sie an die Tür klopfen, und nicht, wenn sie gerade besonders gebraucht werden.

 

Wie in der Werbe- oder Hotelbranche, in der ein Lebenslauf mit zahlreichen, strategisch wichtigen Stationen und Erfahrungen punktet, hält es auch die qualifizierten Spa-Mitarbeiter in der Regel nicht allzu lange an einem Ort. Die hohe Fluktuation setzt beim Spa Manager sowohl Fingerspitzengefühl als auch Weitsicht in der Planung über die Saison hinaus voraus. Hier sind Netzwerke von großem Vorteil: "Meistens kennt man jemanden, der jemanden kennt, der sich irgendwann verändern möchte", schmunzelt Jürgen Dreckmann, Fachbereichsleiter Spa & Wellness der Lindner Hotels.

 

Fakten zur Weiterbildung. Ständig neue Behandlungstrends und Produktinnovationen bedeuten für die Spa-Mitarbeiter, dass sie ihr Wissen laufend erweitern müssen. Eine Umfrage der TÜV Akademie Rheinland unter 80 Arbeitgebern aus der Wellness-Branche bestätigt, dass Weiterbildung für die meisten Arbeitgeber ein wichtiges Thema ist. Dennoch ist nur ein Drittel auch bereit, diese vollständig zu finanzieren. Bezahlten Urlaub würden hingegen zwei Drittel gewähren. Bezüglich des Fachwissens sehen die befragten Arbeitgeber erhöhten Qualifikationsbedarf vor allem bei Fitness, Ernährung und Entspannungstechniken. Und sie wünschen sich bessere Fremdsprachen- und Marketing-Kenntnisse. Ganz wichtig sind auch die Soft Skills wie Kommunikationsstärke, Teamgeist und Konfliktfähigkeit.

 

Weiterbildung - intern oder extern? Zur Weiterbildung setzen die meisten Spas auf einen Mix aus internen Schulungen und "Service-Rollenspielen" sowie externen Maßnahmen. Zu den externen Maßnahmen gehören vor allem Zusatzqualifikationen wie Trend-Massagen, Ernährungsberatung oder Verkaufsschulungen. Letztere werden auch intern zusammen mit Serviceschulungen im Rahmen der Qualitätssicherung durchgeführt. "Wichtig sind neutrale interne Verkaufsschulungen", betont Peter Schöpel. "Der Trend geht zu ganzheitlichen und übergreifenden Anwendungen, daher sind herstellergebundene Verkaufstrainings nicht ausreichend."

 

Nicht zuletzt geben sich die innovativen Unternehmen der Branche nicht mit Standardseminaren zufrieden. Einerseits aufgrund der mangelnden inhaltlichen Ausrichtung auf den eigenen Betrieb, andererseits aufgrund teils hoher Kosten für Anreise und Abwesenheit vom Arbeitsplatz, noch dazu meist in Spitzenzeiten. Da werden wie in Schumanns Spa-Tempel in Bautzen Berater oder Experten eigens für Inhouse-Schulungen engagiert, es wird innerhalb einer Hotelgruppe gar eine eigene Academy zur gemeinschaftlichen Ausbildung gegründet wie im Hause Rogner, oder man schließt sich Spa-übergreifend mit Kollegen zu einer Weiterbildungsinitiative zusammen wie im Intercontinental Berchtesgaden. Peter Schöpel empfiehlt zudem, Weiterbildung als strategisches Incentive für erfolgreiche Mitarbeiter einzusetzen: Damit werden Motivation und Mitarbeiterbindung gefördert.

 

Zukunftsmusik. Und wie wird es zukünftig am Markt für Spa-Mitarbeiter aussehen? Jürgen Dreckmann, der über längere Zeit im Ausland Erfahrungen gesammelt hat, ist überzeugt, dass dort bereits die Zukunft gelebt wird: "Im Ausland setzt man sehr viel mehr auf multifunktionale Spa-Mitarbeiter, die alles können und insbesondere eine duale Ausbildung mit Kosmetik und Massage genossen haben. Wenn sich dies auch bei uns durchsetzt, wird sich der Gast noch besser entspannen können. Denn wird er während des gesamten Aufenthaltes nur von einem oder zwei Therapeuten betreut, erspart man dem Gast stressige Timetables aus Anwendungen und Mitarbeitern. Zudem ist Schluss mit der Unsitte, dass man vom einen Mitarbeiter beraten und vom anderen behandelt wird."  

 

Autor: Anja Haller