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Parkhotel Bayersoien am See

Afrika Wellness im Parkhotel Bayersoien

Spa-Harmonie auf Suaheli

„Afrika Wellness“ in einem Vier-Sterne-Parkhotel im oberbayerischen Moorkurort – kann das funktionieren? Es kann, sagte sich das Ehepaar Friedel, Inhaber des Parkhotel Bayersoien, und investierten in ein neues Spa mit Anklängen an den Schwarzen Kontinent. Der Mix aus alpiner Erholung, fundierten Medical Wellness-Angeboten und exotischen Behandlungen in afrikanischem Ambiente zieht erfolgreich Gäste an.

Bereits als Jugendliche träumte Dr. med. Franziska Fehle-Friedel von Afrika. Ein Jahr nach ihrer Hochzeit startete die gebürtige Augsburgerin gemeinsam mit ihrem Mann, dem Juristen Wolfgang Friedel, zu ihrer ersten Tour, die sie insgesamt 15.000 Kilometer durch Afrika führte: nach Ghardaia und Tamanrasset, in den Niger sowie nach Sokoto und Kaduna in Nigeria. Das Ziel der gemeinsamen Reise war Abak im Südosten Nigerias, wo das Ehepaar ein halbes Jahr als Lehrer bzw. als Ärztin im bischöflichen Krankenhaus arbeitete.

Eine African Lounge in Bayern. Zurück in ihrer Heimat Bayern suchte das Paar nach einem stillen Ort inmitten der Natur und fand ihn 1985 in Bad Bayersoien. Ein Stück Land mit dem unverbaubaren Blick auf den Soier See und die dahinter liegenden Ammergauer Alpen schienen der Familie der ideale Ort für ein Hotel. 1987 eröffnete Dr. Franziska Fehle-Friedel ihre eigene Arztpraxis im rund 80 Kilometer von München entfernten Moorkurort und legte damit einen weiteren Grundstein für die späteren Angebote des Parkhotel im Bereich Medical Wellness. Drei Jahre später begrüßte das Parkhotel Bayersoien mit 66 Zimmern, einem Restaurant mit bayerischer Küche, einer Bar und einer medizinischen Badeabteilung mit Schwimmbad und Arzt im Haus sowie einer Saunalandschaft seine ersten Gäste.

Die Faszination am Schwarzen Kontinent hat das Ehepaar Fehle-Friedel auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland nicht mehr losgelassen. Jahr für Jahr bereisten sie das südliche Afrika und entdeckte dabei den südafrikanischen Wein, welchen sie heute im größeren Umfang importieren. Den passenden Rahmen für die  Kreszenzen erschufen sie mit dem Themen-Restaurant  "African Lounge", das sie mit Erinnerungsstücken von ihren Touren nach Namibia, Südafrika und Simbabwe ausgestalteten. Seit 2004 serviert man den Gästen dort exotische Spezialiäten wie Straußensteaks oder das südafrikanische Nationalgericht Bobotie.

Feuersauna und Roiboos-Tee. Als die Renovierung des Spa-Bereichs auf dem Plan stand, lag die Entscheidung nahe, auch dort afrikanische Akzente zu setzen. „Wir sagten uns: Wenn wir schon etwas machen, dann erweitern wir das Spa und bauen es  in einem ganz anderen Stil“, rekapituliert Franziska Fehle-Friedel. Ganz ohne die Zuhilfenahme eines Innenarchitekten begannen sie ihre persönliche Vision eines afrikanischen Spa-Ambientes zu entwickeln. Dabei griffen sie auf reale Vorbilder wie das Santé Winelands Hotel and Wellness Centre in Stellenbosch, Südafrika, und das GocheGanas Game Reserve & Wellness Village in Namibia zurück. Doch auch viele eigene Erfahrungen und Afrika-Assoziationen flossen in den Bau der afrikanischen Sauna-Landschaft ein.

Beim Betreten des Amani-Spa (Amani bedeutet in Suaheli Frieden und Einklang) werden die Gäste von zwei großen Makonde-Lebensbäumen aus Tansania auf das Thema Afrika eingestimmt – beides Geschenke von Stammgästen des Hotels. In der Feuersauna schwitzt man an einem offenen Feuer, eine weitere Sauna ist atmosphärisch an einen Urwald angelehnt. Zudem finden sich überall Anklänge an die Elemente Feuer, Gold, Hitze und Salz. Dekorationselemente aus Zimbabwe und Namibia sowie Wände, deren Oberflächen aus fingerverstrichenem Lehmputz an die typische Bauweise afrikanischer Hütten erinnern, schaffen ein warmes, exotisches Flair. Zur Erfrischung der ca. 50 Personen, die in dem neuen Spa gleichzeitig Platz haben, stehen Wasser und – ebenfalls Afrika-typisch – aufgebrühter Rooibos-Tee gemischt mit Orangensaft bereit.

Medizinisches Kompetenzzentrum. Angesichts der starken medizinisch-therapeutischen Ausrichtung im Parkhotel Bayersoien, das über verschiedene Zulassungen für stationäre und ambulante Heil- und Badekuren verfügt, mutet der Schritt in Richtung Afrika wie ein kleines, experimentelles Wagnis an. Von der allgemeinmedizinischen Versorgung über verschiedene Facharztrichtungen bis zur naturheilkundlichen Ausrichtung mit F.X. Mayr-Therapie, Anti-Aging-Medizin und Osteopathie wird ein breites Spektrum  an therapeutischen Maßnahmen angeboten. Der 1.000 qm große Wellness-Bereich ist in die Bereiche Therapie („Gesundheitsquell2), Beauty („Schönheitsquell“), Wellness („Vitalquell“) und das separate Amani-Spa unterteilt. Sport- und Entspannungskurse stehen im täglichen Wechsel auf der Agenda. Ein weiterer Schwerpunkt sind Moorbäder- und -packungen mit Bad Baiersoier Moor. „Für uns ist Medical Wellness keine Modeerscheinung, sondern war vom ersten Tag an das Programm unseres Hauses“, sagt Franziska Fehle-Friedel. Gemäß dieser langjährigen Ausrichtung beherbergt das Hotel ein medizinisches Kompetenzzentrum mit Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen, die bei Bedarf konsultiert werden können. Das Parkhotel ist Mitglied bei den Wellness-Hotels-Deutschland und Wellvital sowie der Medical Wellness Group und beim Verband Alpine Wellness.

Fußbad in Büffelmilch. Das Thema Afrika lag schon länger in der Luft, bevor es auf der diesjährigen ITB von Wellness-Reiseveranstaltern offiziell zum Wellness-Trend ausgerufen wurde. Dem Ehepaar Fehle-Friedel konnte das nur recht sein. Die passend zu diesem Trend entwickelte Pflegeserie Galvagni Spa Afrika fügte sich ebenfalls sehr gut ins Konzept. Mehrere Anwendungen auf der Basis typisch südafrikanischer Produkte und Erzeugnisse wie Marula-Öl oder Büffelmilch stehen schon seit 2006 auf dem Spa-Menü des Parkhotels Bayersoien. Die Afrika-Behandlungen umfassen ein Diamanten-Ganzkörper-Peeling, ein Fußbad in Büffelmilch („Hamamu“), eine Ganzkörpermassage mit Marula-Öl und eine African Stone-Behandlung, eine Abwandlung der Hot-Stone-Massage, ebenfalls mit Marula-Öl und afrikanischen Heilsteinen.

Afrika in den Alpen. Das Amani-Spa könnte dazu beitragen, dem Profil des Hauses als Wellness-Destination eine neue, frischere Kontur zu verleihen. Zwar bewirbt das Hotel das neue Spa nicht explizit bei jüngeren Gästegruppen, sondern immer im Zusammenhang mit den entsprechenden Anwendungen (so zum Beispiel auf der Buchungsplattform von beauty 24). Doch gerade jüngere Gäste seien im Vergleich zu den meist älteren Stammgästen des Hotels vom Amani-Spa besonders angetan, so Franziska Fehle-Friedel. Auch die Nachfrage nach Bademenüs oder Kombinationsanwendungen sei bei dieser Klientel vergleichsweise groß.

Neue Trends nur um des Trends willen zu verfolgen, kam für Franziska Fehle-Friedel nie in Frage. Das Wellness-Angebot sei ohnehin schon sehr bereit gefächert, betont die Medizinerin: Alpine Wellness, Afrika, Ayurveda-Elemente – wenn sie konsequent wäre, gesteht sie, würde sie ausschließlich Afrika und Alpine Wellness anbieten. Sie hat sich vorgenommen, in Zukunft lieber auf weitere Angebote zu verzichten, sich nicht zu verzetteln und sich auf die Kernkompetenzen ihrer Mitarbeiter zu konzentrieren. Jedes Zusatzangebot bringt auch eine zusätzliche Investition in die Ausbildung des Personals mit sich – das habe auch die Einführung von Afrika Wellness einmal mehr bewiesen, wie Franziska Fehle-Friedel einräumt. Mit der geplanten Erweiterung des Afrika Wellness-Angebots stehen weitere Schulungen auf dem Programm.
Mit über 70 % Jahresauslastung muss sich das Inhaberpaar Fehle-Friedel vorerst keine Sorgen um die wirtschaftliche Prosperität seines Hotelbetriebes machen. Das neue Amani-Spa und die Erweiterung des Angebots um „Afrika-Wellness“ könnte ebenfalls dazu beigetragen haben. So schätzt Franziska Fehle-Friedel die Steigerung bei den Wochenendbuchungen seit der Fertigstellung des Spa auf ca. 10 % ein. Die Sehnsucht nach Afrika kann Brücken schlagen: Auch zu neuen Gästen.

Autorin: Nathalie Kopsa