Spezialisierungsmöglichkeiten für Hotel, Spa und Bad
Der Begriff Medical Wellness wollte in seinem ursprünglichen Sinne nicht als Marketingkonzept, sondern als ganzheitliches Präventionsprogramm verstanden werden. Dabei sollen durch die Änderung von Verhaltensmustern und Gewohnheiten medizinisch relevante Ziele erreicht werden. spa concept zeigt Wege und Möglichkeiten zum Medical Wellness-Betrieb auf.
Der Bundesbürger wird im Durchschnitt immer älter und die Krankenkassen werden sich bei ihren Leistungen in den nächsten Jahren weiter einschränken. Der privat finanzierte Gesundheitsmarkt wird weiter wachsen. Das Marktvolumen für Medical Wellness-Angebote in den nächsten Jahren sollte man dennoch vorsichtig einschätzen. Manche Hochrechnungen gehen von jährlich über 40 Mio. „Medical Wellness“- Behandlungen bei Wellness-Hotels, Kur- und Heilbädern, „Spa-Kliniken“ und Day Spas aus. Aus Sicht des Verfassers wird hier ein Zukunftsmarkt „heiß gekocht“. Das Marktvolumen ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig und wird maßgeblich auch über die Qualität der Anbieter gesteuert. Richtig ist definitiv, dass Wellness-Angebote mit gesundheitsfördernden Leistungen in den nächsten Jahren stark zunehmen werden, bedingt auch durch stark steigende private Gesundheitsausgaben von 7% im Jahr auf ca. 30 % im Jahr 2015 (Studie von Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft).
Die aktuelle und zukünftige Entwicklung zu mehr privat finanzierten Gesundheitsleistungen kommt dem Medical Wellness-Gedanken entgegen. In der breiten Bevölkerung ist eine Unzufriedenheit mit dem klassischen Gesundheitssystem zu beobachten. Zudem werden firmenfinanzierte Gesundheits- und Wellness-Programme (betriebliches Gesundheitsmanagement) in den nächsten Jahren stark zunehmen. Immer mehr Dienstleister aus den Bereichen Gesundheit, Hotellerie, Wellness und Fitness arbeiten zusammen. Es bilden sich Netzwerkstrukturen im Gesundheitswesen, aber auch in der Hotellerie und in der Fitnessbranche.
Vom Wellness- zum Medical Wellness-Anbieter. Der Weg zum Medical Wellness-Anbieter sollte nicht halbherzig nur aus Marketinggründen beschritten werden. Denn das „Projekt“ Medical Wellness verursacht zunächst Kosten (ähnlich wie der Weg vom Hotel zum Wellness-Hotel, der auch hohe Investitionen fordert): u.a.
- für die Erarbeitung eines Angebotskonzeptes
- für die Bereitstellung von Räumlichkeiten
- für die Auswahl, Entlohnung und Kooperation mit entsprechenden Medizinern
- für die Rekrutierung zusätzlichen Personals
- für die Sensibilisierung der Gäste bzw. für die Profilierung im Markt
Für die individuell passende Integration von Medical Wellness in das Hauskonzept ist viel Fingerspitzengefühl notwendig. Das Leistungspaket darf weder überladen sein noch zu wenige Leistungen enthalten und sollte mit dem bisherigen Angebot harmonieren bzw. Synergien erzeugen. Auf fundierte medizinische Inhalte ist zu achten, da nur wirksame Behandlungen zum Erfolg führen können. Mit der Unterstützung der Krankenkassen empfiehlt es sich aufgrund der „schwankenden“ Gesundheitspolitik langfristig nicht zu kalkulieren. Momentane und künftige Zuschüsse sollten aber natürlich mitgenommen werden.
Eine betriebswirtschaftliche Herausforderung zum Start der neuen Dienstleistung ist die nicht abzuschätzende Auslastung des ärztlichen Angebotes. Eine Lösung könnte die Zusammenarbeit mit einem niedergelassenen Mediziner sein. Einerseits haben renommierte niedergelassene Mediziner meist gut gehende Praxen und damit keine Zeit oder keinen Mut zum Risiko, um sich auf solches Neuland einzulassen. Andererseits sind privatärztliche Zusatzleistungen immer interessant. Aus standesrechtlicher Sicht sind getrennte Praxisbereiche sinnvoll (eigene Praxis und 2. Praxis im Wellness-Betrieb). Neben dem Arzt sind nach Bedarf qualifizierte Mitarbeiter aus dem medizinischen Bereich zu rekrutieren, z.B. Masseure, Physiotherapeuten, Arzthelfer oder Pflegekräfte.
Die Zusammenarbeit mit Medizinern. Der oder die Ärzte in einem Wellness-Betrieb sollten eine eigene Privatpraxis im Haus haben. Eine ausschließlich externe Praxis, auch wenn sie gut erreichbar ist, kann zu Akzeptanzproblemen der Gäste führen und das „Zusammenwachsen“ des Angebots verhindern. Aus den gleichen Gründen ist der Arzt idealerweise an mehreren Tagen im Haus präsent. Einmal Sprechstunde pro Woche und evtl. noch am Samstag sind hier nicht zufrieden stellend. Bewährt haben sich durch den Arzt betreute Gruppen sowie regelmäßige Fachvorträge des Arztes im Wellness-Betrieb. Dadurch lernen die Gäste den Arzt und das Angebot kennen und die Distanz zwischen beiden wird verringert.
Auf der geschäftlich-rechtlichen Ebene der Zusammenarbeit gilt es eine Win-Win-Situation herzustellen, bei der die wirtschaftlichen Risiken auf beide Partner verteilt werden. Bei der Ablauf-Organisation und dem Ambiente der Praxis muss der Wellness-Gedanke im Vordergrund stehen. Nicht nur im Luxus-Wellness-Hotel sollte dies bedeuten: Wohlfühl-Umgebung statt Klinik-Atmosphäre, keine oder kurze Wartezeiten, hervorragende Dienstleistung und zuvorkommende Behandlung. Die Mediziner sollten über ein gepflegtes, kommunikatives und sympathisches Auftreten mit entsprechenden Umgangsformen für die jeweilige Klientel verfügen. Denn das entscheidende Erfolgskriterium im Wettbewerb um den Medical Wellness-Kunden ist die Behandlungs- und Versorgungsqualität. Das Qualitätsmanagement wird einen nie da gewesenen Stellenwert erreichen. Dem Arzt kommt bei dieser „kommerzialisierten Wohlfühlmedizin“ eine neue Rolle als Health Coach zu, der nicht nur Erkrankungen heilen, sondern zunehmend Gesundheit und Jugendlichkeit bis ins hohe Alter sichern soll, um einen maximalen Lebensgenuss zu ermöglichen.
Spezialisierungs-Möglichkeiten für Medical Wellness-Betriebe
- Ernährung: Therapien mit Themen wie Gewichtsreduktion, Entsäuerung, basenreiche Ernährung, Fasten nach Buchinger oder F.X. Mayr (z.B. Menschels Vitalresort Bad Sobernheim)
- Naturheilverfahren/Homöopathie (z.B. Wellness-Hotel Schloss Teschow)
- TCM (z.B. Hotel Neptun)
- Sportmedizin/Fitness: angesprochen werden z.B. Breitensportler wie Jogger, Radler, Golfer (z.B. Impuls Hotel Tirol)
- Ayurveda (z.B. Kempinski Falkenstein, Ascara Health & Beauty Center)
- psychotherapeutisch ausgelegte Konzepte: z.B. bei Lebenskrisen (z.B. Park-Hotel Waldeck)
- Dermatologie (z.B. A-Rosa Travemünde mit einem renommierten Dermatologen aus Hamburg, der gezielt das Thema Haut und Allergien angeht)
- Gynäkologie/Frauenheilkunde (z.B. im Kurort Bad Salzuflen)
- Kardiologie: zu Themen wie Herz-Kreislauf, Prävention, Leistungsdiagnostik (z.B. Medical Wellness-Zentrum der Klinik am Haussee)
- Orthopädie: zu Themen wie Rückenproblemen oder Gelenkerkrankungen (z.B. Landhotel Struck, Attendorn)
- ästhetisch-plastische Chirurgie (z.B. aqualux Wellness- und Tagungshotel) u.a.
Autor: Jörg Hidding, aktiv consult