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Mentaltraining für Mitarbeiter

Vom Therapeuten zur Persönlichkeit

Experten im Wellness-Bereich verkaufen im weitesten Sinne Wohlgefühl, Entspannung und Zufriedenheit. Die Basis dafür ist neben umfassendem Fachwissen und -Kompetenz vor allem eine ausgewogene Persönlichkeit.
Jeder Beruf, bei dem hautnah am Menschen gearbeitet wird, erfordert eine besondere innere Einstellung und eine spezielle Ausstrahlung. Das ist beim Arzt genauso wie beim Physiotherapeuten oder bei der Kosmetikerin. Um wieviel mehr sind diese Aspekte im Wellness-Bereich zu beachten, wo Nomen gleich Omen sein sollte.

Selbstmanagement zur „Wellness-Persönlichkeit“. Es gibt die verschiedensten Seminar-Angebote und Buch-Ratgeber zur Persönlichkeitsentwicklung, die alle sicher hilfreich sein können. Aber in diesem speziellen Fall ist vor allem Selbstmanagement angesagt. Letztendlich sind die Lehrinhalte solcher Seminare nur nutzbar, wenn sie durch den „ganz persönlichen Filter gelaufen“ sind, also individuell integriert werden. Eine echte „Wellness-Persönlichkeit“ zeigt primär Menschenfreundlichkeit und Einfühlungsvermögen, Ehrlichkeit und Humor. Im Folgenden werden einige wesentliche Aspekte aufgeführt.

Charismatische Entwicklung. Ganz allgemein sagt man, Charisma (grch. Gnadengabe) sei nicht erlernbar. Diese Bedeutung wirkt heutzutage überbewertend, weil man in der jetzigen Zeit einfach nur die ganz persönliche Ausstrahlung damit assoziiert. Bis zu einem gewissen Grad ist dieses Charisma, oder eine bemerkenswerte persönliche Ausstrahlung, durchaus individuell entwickelbar. Allerdings ist die Bereitschaft notwendig, im seelischen, im mentalen und im körperlichen Bereich an sich zu arbeiten.
Es beginnt mit der Überprüfung der eigenen seelischen Grundhaltung. In die eigene Seele zu blicken und an seinen Schwächen zu arbeiten, ist nicht immer angenehm. Und doch ist es vor allem als Therapeut eine wichtige Aufgabe herauszufinden:
- Wer bin ich wirklich?
- Welche Schwächen zeichnen mich aus, woran muss ich arbeiten?
- Welche Stärken habe ich, wie kann ich sie gezielt und richtig einsetzen?
Die Arbeit an der seelischen Grundhaltung ist die Basis für die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins. Dieses beinhaltet Kompetenz, einen wachen Intellekt, die Fähigkeit zur Selbstkritik, eine ausgeprägte emotionale Intelligenz sowie Handlungsfähigkeit. Mit wachsender persönlicher Entwicklung bekommt der Bewusstseinsaspekt, der allgemein als Ego bezeichnet wird, einen neuen, sinnvollen Stellenwert.

Der richtige Stellenwert des Ego. Mit dem Wort Ego wird meist eine negative Bedeutung verbunden („Egoismus“). Das Ego ist jedoch eine für den Menschen lebensnotwendige Bewusstseinsinstanz. Sie befähigt uns, die Welt um uns herum, unsere Kunden, die vertrauensvoll zu uns kommen, und uns selbst differenziert wahrzunehmen. Um es bildhaft auszudrücken, ist das Ego die Bewusstseinsebene, die auf dem Fensterbrett zwischen Innenwelt und Außenwelt sitzt. Sie ist an das rationale Bewusstsein gebunden und lässt uns das, was wir sensorisch wahrnehmen, analysieren, einsortieren und beurteilen (manchmal leider auch verurteilen).
Das Ego gibt uns so die Möglichkeit, eine Art Sicherheitsgefühl zu entwickeln und uns im Leben zu behaupten. Ist das Ego in eine Richtung übersteuert (zu viel oder auch zu wenig Egosubstanz), kommt es zu Fehleinschätzungen der Realität, zu Fehlentscheidungen und zu Verletzbarkeiten – die Basis für viele Schwierigkeiten im täglichen Leben.
Als Wellness-Therapeut, bei der Arbeit am Menschen, sollte während der Behandlungsphasen das eigene Ego möglichst zurückgenommen werden zur Fokussierung auf die eigentliche Aufgabe. Dazu gibt es die verschiedensten Techniken der Autosuggestion und der Visualisierung. Daher kann sich hier die Investition in Seminare oder Literatur lohnen. Auf dem Fundament einer gesunden Ego-Substanz kann die persönliche Ausstrahlung also durchaus geschult und gefestigt werden.

Körperlicher Ausdruck. „Wie innen so außen!“ Die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit ist immer in zwei Richtungen wirkungsvoll. Sie wirkt sich auf Körperhaltung, Mimik und Gestik aus und Körperarbeit rückwirkend auf die psychische Disposition.
Unsere muskuläre Reaktion ist stark an unsere Gefühlswelt gebunden. Um nur ein Bespiel zu nennen: Hat ein Mensch Angst, ob nun z.B. vor der Zukunft oder um den Arbeitsplatz, zieht er unwillkürlich die Schultern hoch, den Kopf ein und die Gesäßmuskeln zusammen. Bleibt diese Situation über längeren Zeitraum konstant, entstehen Muskelblockaden, die ganz deutlich unsere äußere Gestalt, auch die Physiognomie prägen und mitunter sogar zu pathologischen Zuständen und Erkrankungen führen können.
Somit ist die Arbeit an Körperhaltung, Körpersprache, Mimik und Gestik ebenso sinnvoll für die Gesundheit und für den Ausdruck der Persönlichkeit wie die Überprüfung der seelischen Grundhaltung und die Arbeit daran.

Die Charakteristik der Stimme. Gewiss sind viele Merkmale eines Menschen genetisch vorgegeben. Das gilt sowohl für den Körperbau und für den Gesichtsausdruck als auch für die Stimme. Dennoch ist für Wellness-Therapeuten die Stimme ein wichtiges Medium und sollte entsprechend trainiert werden. Mit geschulter, wohlklingender Stimme in der persönlich optimalen Tonlage wird der Erfolg im Wellness-Bereich wie auch im privaten Leben sicher leichter. Die Stimmbildung kann sich auch psychisch auswirken: die Atmung wird tiefer, die Stimmfärbung wärmer, Anspannungen lassen sich leichter bewältigen. Die ganze Persönlichkeit wirkt stärker und selbstsicherer. Trainiert werden dazu die Atmung, speziell auch die Atempausen, die Lautstärke, die Tonhöhe, die Akzentuierung von Vokalen und Konsonanten, das Timbre der Stimme und zum guten Schluss auch die Rhetorik und richtige Wortwahl.

Resultate des Entwicklungs-Trainings. Die Arbeit zur Persönlichkeitsentwicklung nach o.a. Aspekten lohnt sich für den Therapeuten in jedem Fall, auch für die eigene Lebensqualität. Mit wachsender Selbstsicherheit wird der Mensch weltoffener. Er kann sich der ihm anvertrauten Klientel gelassen und mit Fingerspitzengefühl zuwenden. Eine geschulte Wellness-Persönlichkeit weiß den Kunden richtig einzuschätzen und individuell wohl dosiert zu behandeln. Sie verbreitet ein angenehmes zwischenmenschliches Klima, das den Kundenwunsch Wellness, Entspannung und Entschleunigung fördert.
Sie aktiviert die „Heilkräfte“ in ihren Händen, so dass sie mit der sanften Berührung auch die Seele der Kunden erreicht. Sie arbeitet sozusagen mit „liebenden Händen“, denn nichts kann die Qualität der Berührung durch die menschliche Hand ersetzen. Und nichts, kein noch so ausgeklügeltes Konzept, ersetzt die menschliche Zuwendung. So wird jede Wellness-Behandlung zu dem, was sie sein soll: eine individuelle Behandlung, die Wohlbehagen vermittelt und beim Kunden zur Bewältigung der alltäglichen Stress-Situationen beiträgt.

Autorin: Henny Ladwig